Von Lochkarten bis zum Internet
Mein beruflicher Weg in der Informationstechnik begann in einer Zeit, in der Computer noch ganze Räume füllten. Lochkartenleser und -stanzer, Magnetbänder, Plattenlaufwerke mit aus heutiger Sicht kaum vorstellbar geringer Kapazität und Operatorkonsolen, die eher Fernschreibern als Computern ähnelten, gehörten zum Alltag. Die Operator trugen im Rechenzentrum noch weiße Kittel.
DATEL, MICS und IDS
Bei der DATEL arbeitete ich zunächst an Lagerverwaltungs- und Abrechnungssystemen für den Automobilhandel. Prägend wurde die Umstellung von MICS, das auf Siemens-Großrechnern unter BS1000 lief, auf das modernere IBM-System IDS – International Dealer System – auf IBM/360 mit MVS.
Diese Umstellung trieb ich in meinem Geschäftsbereich nahezu im Alleingang voran. Meine schnelle Auffassungsgabe und die präzise technische Umsetzung machten mich innerhalb der französischen Muttergesellschaft GSI bis nach Paris bekannt. Der Vorstandsvorsitzende Monsieur Dujeux reiste eigens mit Vorstandskollegen nach München, um mich persönlich kennenzulernen – für einen damals noch jungen deutschen IT-Mitarbeiter eine außergewöhnliche Anerkennung.
Nach weiteren beruflichen Stationen in Essen und Hamburg wechselte ich zur Rechenzentrum Schulte GmbH (RZS). Als Leiter des Geschäftsbereichs Nordwest trug ich Verantwortung für Programmierung, Systemberatung und Rechenzentrumsbetrieb.

Bauinformatik auf dem Großrechner
Ein Schwerpunkt meines Geschäftsbereichs war die Bauwirtschaft: Baulohn und Finanzbuchhaltung, Kosten-, Geräte- und Baustellenrechnung sowie die elektronische Ausschreibung und Abrechnung großer Bauvorhaben. Zu den Projekten, die mit unseren Systemen bearbeitet wurden, gehörte auch das Aalto-Theater in Essen.
Eine zentrale Rolle spielte das Standardleistungsbuch für das Bauwesen. Seine Vorgeschichte reicht bis zum Neubau der Ruhr-Universität Bochum zurück: Das Ingenieurbüro Josef Rüping entwickelte ein System standardisierter, codierter Textbausteine für Bauleistungen. Daraus entstand eine wesentliche Grundlage des späteren StLB und zugleich die Voraussetzung dafür, Leistungsverzeichnisse elektronisch zu verarbeiten.
Bei RZS lag die Umsetzung und Weiterentwicklung dieser Bauanwendungen in meinem Verantwortungsbereich. Herr Möhlendick verantwortete dabei die Programmierung des StLB auf unseren Großrechnern. Josef Rüping lieferte die außergewöhnliche fachliche Kenntnis des Bauwesens; wir übersetzten diese Systematik in funktionierende EDV-Lösungen.
Josef Rüping – Fachwissen und Vertrauen
Die Zusammenarbeit mit dem deutlich älteren Josef Rüping wurde für mich schnell mehr als eine rein geschäftliche Beziehung. Zwischen uns entwickelte sich beinahe ein Vater-Sohn-Verhältnis. Ich bewunderte sein umfassendes Wissen und seine Erfahrung. Er schätzte an mir offenbar die Fähigkeit, auch komplexe fachliche Zusammenhänge sehr schnell zu erfassen und anschließend präzise technisch umzusetzen.
Wir ergänzten uns auf besondere Weise: Rüping wusste, wie Bauleistungen fachlich strukturiert werden mussten – und ich verstand, wie sich seine Gedanken in die Logik eines Computers übertragen ließen.
Vom Großrechner zum Personal Computer
In den 1980er-Jahren begann sich diese Welt grundlegend zu verändern. Personal Computer wurden leistungsfähig genug, Aufgaben direkt in Architektur- und Ingenieurbüros zu übernehmen, für die zuvor ein Rechenzentrum nötig gewesen war. Eine Veranstaltung des Bundesbauministeriums machte diesen Technologiesprung sichtbar: Bundesbauminister Dr. Oscar Schneider zeichnete die Gewinner eines Wettbewerbs zum elektronischen Einsatz des Standardleistungsbuches aus; Konrad Zuse hielt die Laudatio.
Dort begegnete ich auch Kurt W. Pauli, einem der prägenden Wegbereiter der EDV in der deutschen Bauwirtschaft. Pauli verband Bauwirtschaft, Softwareindustrie und die junge Computertechnik miteinander und war später Geschäftsführer der Konrad-Zuse-Gesellschaft.
Konrad Zuse persönlich kennenzulernen, war für mich ein besonderer Moment. Bei einem gemeinsamen Abendessen hatte ich das große Glück, unmittelbar neben ihm zu sitzen. Die Begegnung mit dem Erfinder des ersten funktionsfähigen programmgesteuerten Computers habe ich bis heute nicht vergessen.
Aufbruch nach Osten – und ins Internet
Nach dem Fall der Mauer war ich maßgeblich am Aufbau unseres Geschäfts in Ostdeutschland beteiligt. Dort lernte ich hervorragende Systemprogrammierer kennen, deren außergewöhnliches technisches Können mich nachhaltig beeindruckte.
1994 begann schließlich das nächste Kapitel: Internet, Webentwicklung und die eigene Agentur. Aus der Welt der Lochkarten, Großrechner und Magnetbänder führte mein Weg damit unmittelbar in das digitale Zeitalter, das unseren Alltag bis heute prägt.